Zum Hauptinhalt springen

HELPLINE: 040 - 23 93 44 44 | Montags und Donnerstags 9 - 18 Uhr, Dienstags 10 - 18 Uhr, Mittwochs 13 - 18 Uhr, Freitags 10-14 Uhr

News des Monats

Problematisches Glücksspielen: das Leid der Angehörigen

Glücksspielprobleme betreffen seltenst bis nie ausschließlich die spielende Person selbst. Meist sind es Partner*innen, Familienmitglieder oder enge Freund*innen, die die Folgen unmittelbar mittragen. Eine im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift SUCHT veröffentlichte Studie zeigt: Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung hierzulande ist im eigenen Umfeld mit problematischem Glücksspiel konfrontiert – und erlebt dadurch spürbare Belastungen im Alltag.

Wenn Glücksspiel das soziale Umfeld belastet

Für die Studie wurden Daten des Glücksspiel-Survey 2023 ausgewertet, einer großen repräsentativen Befragung in Deutschland mit über 12.000 Teilnehmenden. Die Erhebung erfolgte telefonisch sowie online und richtete sich an Menschen zwischen 16 und 70 Jahren. Durchgeführt wurde sie vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungseinrichtungen.

Für die Auswertung der Angehörigen-Studie wurden ausschließlich Personen berücksichtigt, die selbst keine Glücksspielproblematik haben. So ließ sich gezielt nachvollziehen, wie Angehörige die Situation erleben, ohne „Vermischung“ mit eigenen Glücksspielproblemen. Gefragt wurden sie unter anderem, ob in ihrem persönlichen Umfeld problematisches Glücksspiel vorkommt und welche Belastungen für sie konkret damit verbunden sind. Für die systematische Erfassung der Glücksspiel-Auswirkungen wurde ein standardisiertes Messinstrument verwendet.

Ärger, Sorgen, finanzielle Belastungen

Rund drei Prozent der befragten Menschen berichteten, dass jemand aus ihrem engen Umfeld Glücksspielprobleme hat. Unter diesen Angehörigen geben knapp die Hälfte an, ein bis drei unterschiedliche Belastungen zu erleben. Weitere rund 25 Prozent berichten von vier oder mehr Belastungen. Frauen sind häufiger durch Glücksspielprobleme in ihrem Umfeld betroffen als Männer.
Auch einzelne Belastungsformen treten deutlich hervor: Etwa sechs von zehn Betroffenen sind regelmäßig verärgert über das Verhalten der nahestehenden (spielenden) Person. Rund ein Viertel berichtet von Schlafproblemen und knapp jede siebte Person nennt gesundheitliche Beschwerden als Folge der Glücksspielprobleme im näheren Umfeld, wie etwa stressbedingte Beschwerden oder depressive Symptome.

Hinter jeder Zahl steht ein Schicksal

Was die Studie naturgemäß nicht zeigen konnte: Hinter diesen Zahlen stehen viele ganz persönliche Geschichten von Angehörigen in allen gesellschaftlichen Gruppen. Die Auswirkungen reichen häufig weit über das Spielen und Geldverluste hinaus. Beziehungen geraten unter Druck, Vertrauen geht verloren, Konflikte nehmen zu. Viele Angehörige erleben eine Mischung aus Sorge, Ärger und Hilflosigkeit. Sie beobachten, wie sich das Verhalten der spielenden Person verändert, Verpflichtungen vernachlässigt werden oder gemeinsame Zeit an Bedeutung verliert. Gleichzeitig fällt es ihnen oft schwer, die Situation offen anzusprechen oder der spielenden Person Grenzen zu setzen. Hinzu kommt: Glücksspielprobleme bleiben lange verborgen. Das erschwert es dem Umfeld, die Situation frühzeitig einzuordnen und Unterstützung zu suchen.

Hier finden Angehörige von Menschen mit Glücksspielproblemen Tipps und Informationen.


Quelle: Kalke, J., Meyer, G., Rosenkranz, M., & Buth, S. (2025). Gesundheitliche und soziale Belastungen im sozialen Umfeld von problematisch Glücksspielenden. SUCHT. https://doi.org/10.1024/0939-5911/a000950