Jahrbuch Sucht 2026: Zahlen und Daten zum Glücksspielen in Deutschland
Jahrbuch Sucht 2026: Zahlen und Daten zum Glücksspielen in Deutschland
Wie viele Menschen in Deutschland nehmen – mehr oder weniger regelmäßig – an Glücksspielen teil? Wie viele davon entwickeln ein problematisches Spielverhalten? Welche Umsätze erzielt die Glücksspielindustrie hierzulande? Und wie entwickelt sich die Anzahl gesperrter Spieler*innen? Antworten auf diese Fragen liefert das aktuelle Jahrbuch Sucht 2026. Im Kapitel „Glücksspiel – Zahlen und Fakten“ werden zentrale Entwicklungen zusammengefasst. Wir stellen einige ausgewählte Befunde vor und verraten am Schluss des Artikels, wie Sie selber in den Genuss der Lektüre des aktuellen Jahrbuchs kommen – und das sogar kostenfrei.
Über eine Million Menschen in Deutschland mit einer „Glücksspiel-Störung“
Rund vier von zehn Menschen in Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten an (irgend-) einem Glücksspiel teilgenommen. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass rund zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung (im Alter zwischen 18 und 70 Jahren) eine Glücksspielstörung entwickeln – das entspricht über 1,2 Millionen Menschen. Glücksspiel ist damit kein Randphänomen, sondern betrifft einen relevanten Teil der Gesellschaft.
Wie riskant Glücksspiele sind, zeigen folgende Zahlen: Knapp sechs Prozent aller Personen, die in den vergangenen zwölf Monaten ein Glücksspiel gespielt haben, haben eine Glücksspiel-Störung entwickelt. Bei weiteren knapp 15 Prozent werden Hinweise auf ein riskantes Glücksspielverhalten sichtbar. Das bedeutet, dass bei etwa jeder fünften Person mit Glücksspielerfahrungen im vergangenen Jahr das Spielen zum Teil deutliche Spuren hinterlässt.
Umsätze auf dem Glücksspiel-Markt steigen
Ein Blick auf den Markt verdeutlicht die Dimension zusätzlich: Die Umsätze im legalen Glücksspielbereich bewegen sich seit Jahren im zweistelligen Milliardenbereich. So wurden im Jahr 2024 auf dem legalen deutschen Glücksspielmarkt Spieleinsätze in Höhe von rund 69,1 Milliarden Euro erzielt – ein Anstieg um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt das Marktvolumen deutlich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie (2019: etwa 42,6 Milliarden Euro). Den größten Anteil haben gewerbliche Geldspielautomaten mit etwa 21,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig existiert daneben ein nicht-regulierter Markt, dessen Umfang schwer genau zu bestimmen ist, für den jedoch jährliche Erträge (= Bruttospielertrag = Einsätze der Spielenden abzüglich ausgezahlte Gewinne) von etwa 500 bis 600 Millionen Euro geschätzt werden.
Anzahl gesperrter Spieler*innen steigt deutlich
Bei der Anzahl gesperrter Spieler*innen zeigt sich ein deutlicher Anstieg: Im bundesweiten Sperrsystem OASIS, das seit 2021 spielformübergreifend genutzt wird, waren Ende 2024 insgesamt 303.855 Sperreinträge verzeichnet. Der überwiegende Teil entfällt mit 96,8 Prozent auf Selbstsperren, während 3,2 Prozent Fremdsperren darstellen. Die „Fremdsperr-Quote“ unterscheidet sich dabei von Glücksspielart zu Glücksspielart. So liegt sie im Bereich der Spielhallen mit 0,7 Prozent sehr niedrig und in Spielbanken mit einem Anteil von 11,1 Prozent verhältnismäßig hoch. Von einer Fremdsperre spricht man in diesem Zusammenhang, wenn nicht die betroffene Person selbst die Sperre veranlasst, sondern Dritte – etwa Angehörige oder Anbieter – eine Sperre beantragen oder aussprechen, weil Hinweise auf problematisches Spielverhalten vorliegen. Eine „Selbstsperre“ erfolgt dagegen auf eigenen Wunsch der betroffenen Person, die sich in das Sperrsystem eintragen lässt, um sich vor weiterem Glücksspiel zu schützen.
Hoher Schuldenstand
Unter den in ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen betreuten Personen mit der Hauptdiagnose „pathologisches Spielen“ haben lediglich 27,4 Prozent keine Schulden. Dagegen haben 13,5 Prozent der betreuten Menschen Schulden von über 50.000 Euro. Diese Zahlen machen deutlich, wie eng Glücksspielprobleme und finanzielle Belastungen miteinander verknüpft sind – oft mit weitreichenden Folgen für das gesamte Leben der Betroffenen.
Schulden sind bei Glücksspielenden ein eigener Risikofaktor. Denn oftmals wird dadurch das Verlangen verstärkt, entstandene Verluste durch weiteres Spielen auszugleichen. Dies kann zu einer Dynamik führen, in der sich finanzielle Probleme verstärken. Neben den finanziellen Folgen sind häufig auch soziale und psychische Belastungen zu beobachten. Beziehungen geraten unter Druck und viele Betroffene berichten von Stress, Schuldgefühlen oder einem Gefühl des Kontrollverlusts.
Fazit
Die aktuellen Zahlen machen deutlich: Glücksspiel ist in Deutschland weit verbreitet und wirtschaftlich bedeutend. Gleichzeitig zeigt sich, dass ein erheblicher Teil der Spielenden Schwierigkeiten entwickelt, das eigene Verhalten zu kontrollieren. Die steigende Zahl gesperrter Spieler*innen, die hohe Verbreitung riskanten Spielverhaltens und die enge Verbindung zu Verschuldung verdeutlichen, dass Glücksspiel nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftlich relevantes Thema ist. Umso wichtiger sind leicht zugängliche Informationen, frühzeitige Unterstützung und passende Hilfsangebote – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige.
Quelle: Meyer, G. (2026): Glücksspiel – Zahlen und Fakten. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): DHS Jahrbuch Sucht 2026. Lengerich: Pabst Science Publishers.